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Hans Gerd Klais

Hans Gerd Klais, geb. am 2. Dezember 1930 in Bonn, von 1957 bis 1996 Leiter der Orgelbauwerkstatt Johannes Klais, von 1966 bis 2001 Mitglied im Beratenden Ausschuss der GdO, ist am 11. Juni 2026 in Bonn verstorben.

Nachruf

Am 11. Juni 2026 verstarb der Bonner Orgelbauer Hans Gerd Klais im Alter von 95 Jahren. Mit ihm verliert der Orgelbau in Deutschland und weltweit eine prägende Gestalt. Viele Jahre war er als Vertreter der Orgelbauer im Hauptausschuss der GdO beratend tätig, von 1966 – 2001, manche in unserer Gesellschaft erinnern sich sicher auch an ihn als regelmäßigen Teilnehmer vieler Jahrestagungen.

Er gehörte zu der Generation, die von Krieg, Zerstörung und Wiederaufbau geprägt war. Verantwortungsbewusst übernahm er, als sein Vater 1957 erkrankte, dessen Nachfolge als Leiter der Werkstatt Johannes Klais.

Gegen Skepsis im eigenen Haus führte er die mechanische Schleiflade ein, erkannte früh neue Entwicklungen, ohne diesen, nur weil es gerade Mode war, zu folgen. Dafür setzte er selbst Trends. Denn sein Denken galt der Orgel und ihrer Erneuerung, sowie der Werkstatt mit ihren Mitarbeitern. Stets im Arbeitsmodus, weigerte er sich, die Werkstatt auf „die grüne Wiese“ zu verlagern. So blieb die einmalige Arbeitsatmosphäre mitten in Bonn ganz im Sinn der Mitarbeiter erhalten, für die er sich interessierte, zugewandt, gerecht, motivierend. Führung war für ihn eine Mischung aus Pragmatismus und Gelassenheit, auch weit über den Orgelbau hinaus.

So entstanden seine Domorgeln von Würzburg (1969) bis zuletzt zur Langhausorgel im Kölner Dom (1998), große und gerne auch kleine Orgeln, wie auch weltweit bedeutende Konzertsaalorgeln, als Stilikonen ihrer Entstehungszeit anerkannt.

Er verstand sich als rheinischer Katholik im Sinne des griechischen Wortes „allumfassend“. Daher verband er Design und Technik mit Eleganz und Perfektion, sein Klangideal galt einer charmanten, verschmelzenden Klangfarbe, charaktervoll, vor allem inspirierend und alles umfassend. Aus seinen zahlreichen Veröffentlichungen spricht der kompetente Praktiker.

Früh war sein Interesse für historische Orgeln geweckt. In einer Zeit, die sich eher durch technischen Fortschritt definierte, erkannte er, dass Orgeldenkmale, gleich welcher Epoche, schützenswert sind. Orgeln wurden unter seiner Leitung sensibel restauriert, was wegen der spektakulären Neubauten leicht übersehen wird. Die Restaurierung der Bambusorgel von Las Piňas von 1975 wurde weltberühmt, gleichzeitig wurde er zum Mitbegründer der Renaissance der Orgelbauerfamilie Stumm. Denn mit seinen Restaurierungen seit den 1970er Jahren fanden die Orgeln aus den sechs Generationen dieser Orgelbauwerkstatt (etwa 1715 – 1921) wieder zu neuer Beurteilung, spätestens seit den Restaurierungen in Rhaunen (Orgel von 1723, restauriert 1979) und Sulzbach (1746, restauriert 1981).

Schon vor 2000 zog er sich immer mehr aus dem Tagesgeschäft zurück, nachdem sein Sohn Philipp die Leitung der Werkstatt übernommen hatte. So konnte er sich verstärkt seiner unglaublichen Sammlung mit Orgelgrafiken widmen, die er, wie zuvor die Orgelbibliothek, immer weiter komplettiert, systematisch erfasste. Und er blieb gerne für „Hausaufgaben“ ansprechbar.

Jede seiner Orgeln hat Hans Gerd Klais nach der Fertigstellung professionell fotografiert und sie so zu ihrer Bewährung in die Zukunft entlassen. Seine Instrumente tragen den Namen Klais mit Würde und Stolz und zeigen das Charisma eines Mannes, der Handwerk, Kultur und Unternehmertum als umfassendes kulturelles Erbe verstand, dessen Teil er bleiben wird. Danke, Hans Gerd Klais!

Hans-Wolfgang Theobald