Veranstaltungen

Orgelstudienreise in die Slowakei

12. - 19. September 2020

Unter der künstlerischen Leitung von Jiří Kocourek werden Organisten aus den Reihen der Teilnehmer (Michael Schopen, Hans Eugen Ekert, Karlheinz Schüffler und Heidrun Henning) voraussichtlich 31 historische wie auch zeitgenössische Instrumente in 23 Kirchen in der Hauptstadt Bratislava (Pressburg), der Spiš (Zips) und in der historischen Bergbauregion Banská Štiavnica (Schemnitz) vorstellen. Die Orgelauswahl ermöglicht einen repräsentativen Überblick über die Orgellandschaft in der Slowakei mit den erhaltenen Orgeln vom frühen 17. bis in das 20. Jahrhundert. Bei der Auswahl wurden auch die Spielbarkeit und Originalität der Orgeln beachtet.

Die ältesten noch klingenden Orgeln sind die Chororgel von Bartholomäus Fromm von 1651 in der kath. Pfarrkirche Kežmarok (Käsmark), die Orgel von Thomas Dobkowitz von 1663 in Spišská Sobota (Georgenberg) und in der evangelischen Kirche in Levoča (Leutschau) von 1697. Dazu sehen wir die bedeutenden Frühbarockgehäuse in der Stadtpfarrkirche in Levoča des Hans Hummel von 1625, in der Pfarrkirche Kežmarok von 1641, in Poprad-Velká (Deutschendorf) von Samuel Stascovius 1652 und in Spišská Stará Ves (Altendorf) von 1656.

Die Orgel der alten evangelischen Holzkirche in Kežmarok von Laurentius Czeukowsky (Hauptorgel) und Martin Korabinský (Rückpositiv) von 1720/29 gehört zu den bedeutendsten Denkmalorgeln der Slowakei. Weit verbreitet waren im Barock Positive, von denen wir eines in der ev. Kirche von Stráne pod Tatrami sehen (um 1720), vier weitere im Musikinstrumentenmuseum Schloss Markušovce (Marksdorf). Czeukowsky und Zorkovský gehörten in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Orgelbauern der Slowakei. In der 2. Hälfte waren es neben der Familie Pažický vor allem Martinus Potkonitzki (Podkonický) und Valentin Arnold. Von Podkonický sehen wir eine Orgel von 1751 im malerischen Špania Dolina (Herrengrund) und in der hölzernen Artikularkirche in Hronsek (Zwickeldorf) das Positiv von 1763/64. Von Arnold besichtigen wir Orgeln im Dom zu Trnava (Tyrnau, 1783) und in der ev. Kirche in Banská Štiavnica (1797).

Die Frühromantik wurde durch einige Orgeln Jakob Deutschmanns aus Wien eingeläutet: Wir besichtigen sein Werk von 1823 in Spišská Nová Ves (Zipser Neudorf). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Martin Šaško zum führenden slowakischen Orgelbauer. Wir sehen von ihm Orgeln in Bratislava (Pressburg), kleine ev. Kirche, in der oberen kath. Kirche Pezinok (Bösing) und in der Universitätskirche Trnava.

Bereits im Gründungsjahr 1873 etablierte sich die größte österreichisch-ungarische Orgelbaufirma der Gebr. Rieger zum Marktführer und erstellte eine große Zahl von Orgeln in der Slowakei (damals Oberungarn). Wir erleben eines der frühesten Werke, opus 15 von 1875 in Modrá (Modern), sowie einige weitere mechanische Kegelladenorgeln, die größten in der neuen ev. Kirche in Kežmarok (1894, II/30), in Spišská Kapitula (Zipser Kapitel, 1890, II/31) sowie in der Pfarrkirche von Banská Štiavnica (1882, II/15), dazu die bedeutenden spätromantischen pneumatischen Orgeln im Dom zu Trnava (1913, III/48) und in der neuen ev. Kirche in Bratislava (1923, III/68). In der kath. Pfarrkirche von Kežmarok und in den ev. und kath. Pfarrkirchen von Levoča hören wir frühe orgelbewegte große Rieger-Werke von 1925 bzw. 1932.

Die Neubautätigkeit während des Sozialismus war sehr begrenzt. In der historischen Kirche von Žehra steht ein solches Instrument von 1989.

In der jüngsten Zeit haben ausländische Firmen einige bedeutende große Orgeln errichtet. Wir konzentrieren uns aber auf einige neue Orgeln junger slowakischer Firmen, die 2006 in Spišská Stará Ves (Oto Dlugosch, III/26) sowie 2009 in Poprad-Velká, Sv. Ján (Deutschendorf; Gabriel Bies, II/17) in Barockgehäusen errichtet wurden.

Zu sehen sein werden auch historische Städte und Orte in der Westslowakei (Bratislava, Trnava), der Zips (Kežmarok, Levoča, Spišská kapitula) und der Mittelslowakei (Banská Štiavnica). UNESCO-Weltkulturerbe sind die Altstadt von Levoča und die Zipser Burg. Sehr schön sind auch die Altstädte von Kežmarok, Banská Štiavnica und Bratislava. Die Seilbahnfahrt auf die Lomnitzer Spitze in der Hohen Tatra ermöglicht atemberaubende Ausblicke. Sehenswert sind auch die Kirchen: Einige gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe, so die ev. Holzkirchen in Kezmarok und in Hronsek 1726, die große Kathedrale der Spišská kapitula oder die Kirche in Žehra.

Die Zips ist eine historische Region im Nordosten der Slowakei (quasi unter der Hohen Tatra), die seit dem 13. Jahrhundert von „Zipser Sachsen“ (Deutsche aus Sachsen, Schlesien und Franken) besiedelt wurde. Der ungarische König hatte sie 1241 ins Land gerufen, um den Bergbau zu entwickeln und die Mongolen abzuwehren. 1370 waren die 24 Zipser Städte gegenüber ihren oberungarischen Feudalherren so mächtig geworden, dass sie sich eine in Europa einzigartige Selbständigkeit erkämpfen konnten. Noch heute sind diese meist kleinen Städte berühmt für ihre gotischen Kirchen mit historischen Orgeln und reicher Ausstattung sowie ihre Zeugnisse der Architektur eines selbstbewussten Bürgertums der frühen Neuzeit, die Handel bis nach Venedig trieben und reich wurden.

Peter Petrovic wird slowakischsprachiger Reiseleiter und Organisator vor Ort sein. Zwei Übernachtungen sind in Bratislava und vier in Levoča, die letzte in Banská Štiavnica. Die Anreise bzw. Anflug werden nach Bratislava empfohlen. Entsprechend der Größe des Busses liegt die Höchstzahl der Teilnehmer bei 40. Orgelspielende Teilnehmer können nach Voranmeldung auch die Vorführung einzelner Orgeln übernehmen.

Programm und Hinweise zum Herunterladen.
Anmeldung bitte bis 30.4.2020 bei Eberhard Knebel: eberhardknebel(at)t-online.de.